Eindrücke aus einer Woche Supervision im House of Hope

Die kongolesischen Supervisor*innen arbeiten in der Vermittlung der geforderten Inhalte wie in den konkreten Fallsupervisionen äußerst kenntnisreich und empathisch. Mit Französisch sprechen sie dieselbe europäische Fremdsprache wie die senegalesischen Berater*innen, die ich diagnostisch und therapeutisch sehr interessiert und kompetent erlebte.

Flüchtlinge leiden erfahrungsgemäß nicht nur an klassischen posttraumatischen Stress-Erkrankungen (PTSD), sondern auch häufig an depressiven Verstimmungen und Suchterkrankungen. Die im House of Hope vermittelte Narrative Expositionstherapie (NET) wurde primär für PTSD entwickelt und evaluiert, leistet aber auch bei anderen psychischen Erkrankungen wertvolle Dienste. NET betont das subjektive Erleben der Traumatisierten und Erkrankten und stärkt ihre Ressourcen, mit dem Erlittenen besser umgehen zu können. Gemeinsam mit den wegen der Corona-Beschränkungen per Skype und WhatsApp arbeitenden Supervisor*innen arbeiten die Berater*innen mittlerweile mit den allermeisten ratsuchenden Flüchtlingen, bei denen unterschiedliche psychiatrische Diagnosen gestellt werden.

In meinem längeren Vortrag stellte ich ein bisher nur in englischer Sprache erhältliches aktuelles Manual über psychische Krankheiten vor, das sich gezielt an Nicht-Akademiker wendet (Vikram Patel: „Where there is no psychiatrist – a Mental Health Care Manual“). Für das wichtige Coaching in diagnostischen Fragen kann das Buch wertvolle Dienste leisten.

Meine gemeinsam mit senegalesischen Kolleg*innen durchgeführten Besuche in einer Jugendstrafanstalt in Dakar und in der psychiatrischen Universitätsklinik in Dakar waren von einer eindrucksvollen Offenheit gegenüber den Anliegen des HoH geprägt. Mit den Bediensteten im Gefängnis ist geplant, dass diese sich selbst in der NET ausbilden lassen, um den jugendlichen Gefangenen besser helfen zu können (evtl im Rahmen eines weiteren, bereits beantragten Projektes). Die Leiterin der Universitätsambulanz sagte zu, noch schneller als bisher im HoH entsprechend psychiatrisch schwerer Kranke aufzunehmen und das HoH bei Bedarf mit spezieller psychiatrischer Supervision zu unterstützen.

Gerade die Arbeit im House of Hope leistet einen wichtigen Beitrag dazu, Flüchtlinge und andere Migrant*innen vor Ort adäquat zu behandeln, sodass sie nicht um einer Behandlung willen erneut flüchten oder auswandern müssen. Die während meiner Tätigkeit angesprochenen Ausweitungen dieser Programme würden den Leidenden wie auch den mit ihnen Arbeitenden wesentliche Hilfestellungen vermitteln können. Persönlich hoffe ich, zu gegebener Zeit meine supervisorische Arbeit dort fortsetzen zu können.

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