Der fka trifft HA Schult auf der ART Karlsruhe

die Ausstellung “YES we can do it” auf Gorée

Der fka – Freundeskreis Asyl Karlsruhe ist seit über 30 Jahren in der Beratung und Betreuung von Geflüchteten aktiv. Im letzten Jahr hatten wir zwei Veranstaltungen mit dem Karlsruher Fotografen Christian Ernst. Mit Kunst können wir Zielsetzungen in der Flüchtlingsarbeit unterstützen. Der Gedanke der Erweiterung und Ergänzung unseres Wirkungskreises durch Projekte im künstlerisch-kulturellen Bereich führte zur Zusammenarbeit mit dem Aktions- und Objektkünstler HA Schult.

Unter der Prämisse „Nur die Kunst bewegt die Zeit“ ist Schult seit den 1960er Jahren aktiver Mitgestalter der internationalen Kunstlandschaft. Als die bekanntesten Arbeiten HA Schults können die sog. „Trash People“ – eintausend lebensgroße, menschenähnliche Skulpturen aus Müll – bezeichnet werden. Seit über zwei Jahrzehnten reisen sie um die Welt, um als Sinnbild unserer Gesellschaft und unseres Lebens – „like refugees of the consumer society“ – an exponierten Orten ausgestellt zu werden (u. a. auf der Chinesischen Mauer, dem Roten Platz in Moskau, im Eis der Arktis, vor den Pyramiden von Gizeh).

Für das Jahr 2020 ist eine Ausstellung von fünfzig solcher Müll-Skulpturen auf der senegalesischen Insel Gorée vor der Küste Dakars geplant. Es werden neue Skulpturen sein – Fusionen aus europäischem Müll und den Überresten einer senegalesischen Hütte. Die Präsentation dieser neuen Art von Trash People richtet den Blick auf eine seit Jahren andauernde Praxis: die Müllexporte in den Globalen Süden.

HA Schult nutzt die diesjährige ART Karlsruhe (13.-16.02.2020), um seine für Mitte des Jahres geplante Präsentation mit dem Titel YES we can do it vorzustellen und gibt dem fka durch eine Widmung die Möglichkeit, mit seinem Projekt House of Hope West-Africa: Trauma und Flucht – Hilfe ist nötig und möglich ebenfalls vor Ort präsent zu sein.

Obgleich beide Projekte unabhängig voneinander entstanden sind, weisen sie in ihrer Thematik Parallelen auf. Sowohl Schult als auch der fka befassen sich mit der Rückführung bzw. Abschiebung unerwünschter „Dinge“ aus Europa/dem Westen in die Länder Afrikas. Bei HA Schult ist es der Müll, im House of Hope sind es die Menschen.

In einer Begleitung des Projekts von HA Schult sieht der fka die Möglichkeit, komplementär und erweiternd auf die Problematiken von Rückführungen bzw. Abschiebungen aufmerksam zu machen und gleichzeitig die Wege zur Heilung und Lösung darzustellen, welche gemeinsam gegangen werden können.

Geflüchtete werden des Landes verwiesen und gemäß der Redensart „aus den Augen, aus dem Sinn“ mitsamt ihren Problemen und den Schwierigkeiten des Herkunftslandes der öffentlichen Sichtbarkeit entzogen und als für Europa wenig relevant gekennzeichnet. Sie geraten – gleich wie der exportierte Müll – in Vergessenheit, spielen keine Rolle mehr für unser Leben. Es fällt leicht, Dinge außerhalb des unmittelbaren Sicht- und Wirkungskreises zu ignorieren. Dabei kann in Vergessenheit geraten, dass auf unserer Erde alles miteinander zusammenhängt. Kein Mensch kann sich dem entziehen.

Gleichzeitig bewegt sich eine Menge im gesamtverantwortlichen Bemühen und interkontinentalen Dialog. Die Bundesregierung hat seit mehreren Jahren ein großes Rückkehrer-Programm „Perspektive Heimat“ eingerichtet. Die Basis hierfür bilden Beratungszentren, in welchen Rückkehrern neben fachlicher Unterstützung (Start-Up-Qualifikationen) auch Gelder für kleine Unternehmensgründungen mit dem Ziel einer gelingenden Re-Integration zur Verfügung gestellt werden.

Das vom fka begründete House of Hope in Dakar gehört zu diesen Zentren. Wir möchten der deutschen Regierung an dieser Stelle für die Projektgewährung herzlich danken, wodurch sie dem Kernaspekt der individuellen, psychischen Stärkung besondere Aufmerksamkeit widmet und einen Wissenstransfer in der Behandlung von Traumafolgestörungen an Einheimische konkret ermöglicht.

Unser herzlichster Dank gilt schließlich HA Schult, der uns durch die Begleitung seiner Aktion die Möglichkeit schenkt, eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen und ganz im Sinne des Titels „Yes, we can, do it!“ voranzuschreiten.

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