Der lange Weg der Hoffnung

Prosper kommt aus Ruanda. Er ist ein Tutsi, ein Angehöriger jener Ethnie, die während des Krieges unter schrecklichen Bedingungen lebte; deren Mitglieder marginalisiert und gefoltert wurden. Im Jahr 1992 war Prosper gezwungen, sein Heimatland zu verlassen. In Uganda hoffte er Sicherheit zu finden und sein Studium fortsetzen zu können. Von einem Freund, einem Kundschafter der Rebellen, musste Prosper jedoch erfahren, dass jede*r Ruander*in ermordet wurde, der/die sich nicht mit seinen/ihren Waffenbrüdern verbündete. Aus Angst, getötet zu werden, schloss er sich den Rebellen an. In den folgenden Monaten wurde Prosper sowohl Zeuge als auch Opfer von der Folter und dem Mord an zahllosen Menschen. Unter ihnen waren nicht wenige Tutsis aus Ruanda.

Nach Ende des Krieges konnte Prosper an die Universität zurückkehren und sein Studium im Jahr 1996 fortsetzen. Sechs Jahre später akzeptierte die Armee sein Entlassungsgesuch. Doch damit war es noch nicht vorbei

In den folgenden neun Jahren wurden Prosper und seine Familie Opfer einer Serie von Mordanschlägen. Er war in Besitz zu vieler Informationen über das bestehende Regime und stellte eine potenzielle Gefahr für dessen international agierendes Netzwerk dar. Eine erneute Flucht war die einzige Möglichkeit, sich und seine Familie zu beschützen und so gelangte die Familie Bamara 2011 nach Senegal. Einige Monate nach ihrer Ankunft (im Frühjahr 2012) stellte Prosper mit Hilfe von RADDHO und Amnesty International einen Asylantrag. Dieser wurde im Jahr 2014 abgewiesen. Auch ein zweiter Antrag scheiterte; vermutlich aus politischen Gründen – man wollte die guten Beziehungen zwischen Senegal und Ruanda nicht gefährden.

Seitdem lebt Prosper mit seiner Frau und den Kindern in Dakar – ohne einen Job oder eine Bildungsmöglichkeit für seine Kinder. Gleichzeitig erreichen ihn immer wieder Morddrohungen; die ruandische Regierung möchte, dass die in seinem Besitz befindlichen Informationen verschwinden.

Als Prosper Bamara mit Unterstützung von RADDHO das erste Mal ins House of Hope kam, litt er an Schlafstörungen, hatte Alpträume, konnte sich nur schwer konzentrieren und verdrängte viele seiner Erinnerungen. Am 24. April 2019 begann er mit einer Therapie und hat seither an zwölf Sitzungen teilgenommen – die finale Sitzung fand am 6. September 2019 statt. Eigenen Aussagen zufolge, fühlt sich Prosper nun trotz der immer noch instabilen Lebenssituation sehr viel besser. Das, was schwer auf ihm lastet, ist die unsichere Zukunft seiner Kinder.

Die Tatsache, dass Prosper fähig war, kontinuierlich an zwölf Sitzungen teilzunehmen, zeigt deutlich, dass die NET eine Erleichterung, Unterstützung und psychologische Hilfe für ihn war. Es war überhaupt das erste Mal, dass Prosper über seine leidvollen Erfahrungen und traumatischen Erlebnisse der letzten Jahre gesprochen hat. Doch genau das war es auch, was ihm schlussendlich Erleichterung verschaffen konnte.

Er selbst hat das HoH an eine Geflüchtete in Dakar weiterempfohlen.

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