Der Trainingsbeginn im House of Hope

das train-the-trainer-programm

Das Train-the-Trainer-Programm ist ein wesentlicher Bestandteil des Projekts „House of Hope – West-Africa: Trauma und Flucht – Hilfe ist nötig und möglich“. Es handelt sich hierbei um ein Kooperationsbündnis aus Therapeut*innen und Trainer*innen der Akademie für Wissenschaftliche Weiterbildung an der Universität Konstanz (AWWK), unserem lokalen Partner in Senegal (RADDHO) und dem fka – Freundeskreis Asyl Karlsruhe e. V.

Kommunikationstraining

Ziel unserer Arbeit in Senegal ist die Ausbildung von sog. Master-Counsellors in der von Thomas Elbert entwickelten Methode der Narrative Exposure Therapy (NET). Sie sollen in die Lage versetzt werden, ihrerseits Unterstützer*innen auszubilden, die rückgeführte Flüchtlinge mit Traumafolgestörungen behandeln können (Kaskadensystem).

Traumatisierte Flüchtlinge erhalten in der Therapie die Möglichkeit, ihre Geschichte zu erzählen und so ihre Vergangenheit aufzuarbeiten bzw. schlimme Erlebnisse in den eigenen Lebensweg einzuordnen – sie in einem größeren Kontext zu sehen. Ein nächster Schritt ist die Einbindung der Familie in die therapeutischen Sitzungen (=NET-facts).

Das Train-the-Trainer-Programm besteht aus drei Modulen. Das erste Modul hat am 21.01.2019 begonnen und wird vier Wochen dauern. Das nächste Modul ist im März geplant.

Die Auswahl der student*innen

Potenzielle Student*innen konnten wir vor Beginn des Train-the-Trainer-Programms mit der Unterstützung unserer lokalen Partnerorganisation rekrutieren. RADDHO wird uns im Rahmen des Projektes auch bei der Recherche nach Rückkehrer*innen und Flüchtlingen mit Traumafolgestörungen unterstützen.

Projektleiterin Priska Löhr heißt die neuen Student*innen willkommen

Am Freitag, 18. Januar 2019, fand ein Kennenlern-Gespräch mit 35 Bewerber*innen im House of Hope statt. Die Auswahl von 15 Student*innen für die erste Phase der Ausbildung erfolgte nach festgelegten Kriterien. Die meisten von ihnen haben Erfahrung im sozialen Bereich. Manche haben zuvor mit UNHCR zusammengearbeitet, insbesondere mit Migrant*innen und Flüchtlingen. Sie bilden einen für das House of Hope wichtigen, zusätzlichen Zugang zu traumatisierten Rückkehrer*innen, denen wir im Rahmen unseres Projektes Hilfe anbieten möchten. Andere Student*innen haben Waisenkinder und unter sexueller Gewalt leidende Frauen ehrenamtlich betreut.

Das House of Hope hat für die Therapien einen aus sechs Personen bestehenden Dolmetscherpool gebildet. Jeden Tag stehen zwei von ihnen zur Verfügung.

DAs erste training

Obwohl die Student*innen die NET-Methoden nicht kennen, sind sie hoch motiviert. Die Atmosphäre im Kurs ist entspannt, beinahe schon freundschaftlich. Um zu gewährleisten, dass alle die gemeinsam festgelegten Unterrichtsregeln respektiert, werden jeden Morgen zwei Teilnehmer*innen (wir nennen sie Chef de village) ausgewählt, die u. a. dafür sorgen, dass der Kurs nach den Pausen pünktlich fortgesetzt werden kann und die Telefone während des Unterrichts ausgeschaltet sind.

Festlegung der Unterrichtsregeln

Auf einer interaktiven Basis gelingt es den Therapeut*innen, die Kursinhalte trotz des theoretischen Schwerpunktes verständlich zu vermitteln. Eine Gelegenheit, das Gelernte auch praktisch anzuwenden, erhalten die Student*innen in begleitenden Workshops.

Auf unserer Dachterrasse erklärt Therapeutin Elisa den Studierenden den Inhalt der „Lifeline-Boxes“↓
Die Studierenden üben, wie man ein Lifeline* bildet.

*Lifeline = Lebenslinie: „… eine symbolische Repräsentation des Lebens in Form einer Kordel“, welche von den Patient*innen mit Blumen (schöne Erlebnisse), Steinen (schlechte Erfahrungen) und Kerzen (Trauerereignisse) versehen wird. Auf diese Weise gelingt es, Erfahrungen – in eine chronologische Reihenfolge gebracht – innerhalb der eigenen Biografie zu verorten und in einen größeren Kontext zu bringen (allozentrische Perspektive = Draufschau). Die Übung erleichtert es zudem, „die ‚Narration‘ der Lebensgeschichte in den darauffolgenden Sitzungen“ zu strukturieren und zu planen.

vgl. hierzu: Nadja Jacoba, Sarah Wilkera, Dorothea Iselea: Narrative Expositionstherapie zur Behandlung von Traumafolgestörungen , in: Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapy, 2017; 168 (4): 99–106.

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