Ein düsterer Lebensweg

Als die Zwillinge drei Jahre alt waren, verließ die Familie den Senegal, um sich in Abidjan/Elfenbeinküste niederzulassen. Bereits wenige Jahre später, mit sieben Jahren, begleitete Aminata ihre Halbschwester Joceline (aus einer früheren Ehe der Mutter mit einem französischen Auswanderer) und deren Ehemann, ein Filipino namens Gehu, nach Gabun. Aminatas Vater war gestorben und Gehu versetzt worden.

In den folgenden Jahren führte die berufliche Laufbahn des Gehus Aminata, Joceline und deren zwei Kinder zunächst nach Yaoundé/Kamerun und anschließend nach Guadeloupe. Hier kam es 1994 zu einem Zwischenfall, der das Leben der jungen Frau völlig auf den Kopf stellte. Ihr Schwager setzte sie – unter dem Vorwand, sie behandeln zu wollen – unter Drogen und verging sich an ihr. Joceline ließ sich daraufhin von ihrem Mann scheiden und migrierte mit ihrer Schwester und den Kindern nach Brest/Frankreich.

Ein weiterer Schicksalsschlag sollte nur wenige Jahre später folgen. Am 17. November 1997 kam Joceline auf dem Heimweg von der Arbeit bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Verzweifelt und nun ohne jegliche Unterstützung, ging Aminata eine Beziehung mit einem Franzosen (Jean Claude Legall) ein. Das Paar bekam eine gemeinsame Tochter – Karine. Die Beziehung war jedoch nicht von Dauer, da Jean Claude kurz nach der Geburt des Kindes von seiner Ex-Frau erschossen wurde. Allein in einer weißen Familie zurückgelassen, die in ihrer Hautfarbe ein Problem sah, durchlebte Aminata eine schwierige Zeit voller Stigmatisierung. Die stetige Diskriminierung war es, welche sie schließlich dazu zwang, die Familie und auch ihre Tochter Karine zu verlassen.

Aminata blieb jedoch in Brest und lernte dort ihren künftigen Ehemann Francis Shey (Kameruner) kennen. Gemeinsam mit ihm kehrte sie nach Yaoundé zurück, wo sie zwei Jungen – Thierry und Steph – das Leben schenkte und als erfolgreiche Geschäftsfrau arbeitete. Das Verhältnis zu den Schwiegereltern gestaltete sich jedoch als äußerst schwierig und gipfelte schließlich in einem Giftanschlag auf ihr Leben. Dies war der Moment, indem Aminata den Entschluss fasste, nach Senegal zurückzukehren (2002).

Hier, in Dakar, kam ihre zweite Tochter Collen zur Welt. Mit kaum drei Jahren sollte das kleine Mädchen ein ähnliches Schicksal durch den Cousin der Mitbewohnerin erleiden, wie die Mutter einst durch ihren Schwager.

Aminata Traoré Thiam ist heute 47 Jahre alt, ledig und lebt alleine, ohne ihre 4 Kinder, in Dakar. Ihre Tochter Collen vertraute sie aus gesundheitlichen Gründen (Unterleibskrebs) und aufgrund fehlender finanzieller Mittel (arbeitslos) einer befreundeten Familie an. Ohne jegliche Hoffnung, weigerte sich Aminata völlig, mit irgendjemandem zu kommunizieren und war angesichts ihres – eigenen Worten nach – „düsteren Lebensweges“, zurückhaltend allen Außenstehenden gegenüber.

Es ist RADDHO zu verdanken, dass Aminata das House of Hope kennenlernte. Hier nahm sie regelmäßig an Therapiesitzungen teil und konnte schlussendlich ihren Seelenfrieden finden. Nun sieht sie sich wieder in der Lage, ein normales Leben zu führen und macht Pläne für die Zukunft. Aminata möchte nach Abschluss ihrer Therapie alles daran setzen, dem Krebs entgegenzuwirken. Zudem möchte sie ihre geschäftlichen Aktivitäten wieder aufnehmen und versuchen, eine Verbindung zu ihren vier Kindern herzustellen.

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