Ein Neuanfang in der Heimat

Im Alter von 31 Jahren entschloss sich Dam dazu, sein Geburtsland zu verlassen und – in der Hoffnung auf ein besseres Leben – nach Europa zu migrieren. Im Januar 2015 bestieg er in Dakar einen Bus in Richtung Norden. Seine Reise führte ihn durch Mali und den Niger bis nach Tripolis/Libyen. Dort bestieg Dam am 02. August 2015 gemeinsam mit mehr als einhundert anderen illegalen Einwanderern ein Boot, das sie über das Mittelmeer nach Italien bringen sollte. Nach einer Woche auf rauer See erreichten sie das italienische Festland.

Drei Monate später, am 11. Oktober 2015, verließ Dam Italien und stieg in einen Zug nach Deutschland. In Neuburg an der Donau angekommen, wurde ihm im Rathaus eine Unterkunft in einem nahegelegenen Empfangszentrum zugewiesen. Bereits kurze Zeit später, am 30. Oktober 2015, erhielt Dam die Möglichkeit, an einem Deutschkurs teilzunehmen. Die Zulassung zu einer Ausbildung in der Gastronomie folgte. Ein Lehrzertifikat konnte ihm aufgrund seines ausländischen Status jedoch nicht ausgestellt werden.

Bei dem Versuch, seinen Status als Asylbewerber gesetzlich anerkennen zu lassen, stieß der junge Senegalese auf erhebliche Schwierigkeiten, u. a. mit der deutschen Polizei. Und so verließ er Neuburg an der Donau, um sein Glück in den Niederlanden zu versuchen. Doch nur sechs Monate später kehrte Dam entmutigt nach Deutschland zurück, wo er drei Jahre später eine freiwillige Rückkehr in seine Heimat beantragte.

Mit Unterstützung der international tätigen Organisation O.I.M. konnte Dam am 30. Oktober 2018 schließlich in Senegal einreisen und erhielt die Möglichkeit, eine vom Centre sénégalo-allemand d’Information pour l’Emploi, la Migration et la Réintégration geförderte Klempnerausbildung in Dakar zu absolvieren.

Nach Abschluss der Lehrzeit fehlte es Dam an finanziellen Mitteln, um – wie geplant – eine eigene Werkstatt zu eröffnen. Die von Seiten des Zentrums versprochene Unterstützung bei der Beschaffung der notwendigen Ausrüstung verzögert sich bis heute.

Aufgrund der widrigen äußeren Umstände fiel es Dam und seiner Familie – er ist Vater von drei Kindern (zwei Mädchen im Alter von 9 und 4, ein einmonatiger Junge) –äußerst schwer, sich zu integrieren. Dies ist einer der Gründe, warum Dam sich schlussendlich dazu entschied, im House of Hope Hilfe zu suchen. Seither nimmt er regelmäßig an  Therapiesitzungen teil, in denen er die unschätzbare Gelegenheit erhält, über seine Erfahrungen und Erlebnisse während der Flucht zu sprechen. Bis dato war es Dam nicht möglich, sich seinem Umfeld und den Geschwistern anzuvertrauen und über die erlebten Tragödien auf seinen Reisen zu sprechen.

Durch seine Therapie im House of Hope ist Dam nun dazu in der Lage, im Alltag innezuhalten, um in Ruhe nachzudenken und auf sich selbst mehr zu achten. Er verfolgt seinen Plan, eine eigene Klempnerwerkstatt zu eröffnen, nun mit Nachdruck. Dam möchte den erlernten Beruf ausüben, um so sich und seiner Familie ein eigenes Zuhause, ein besseres Leben und eine sichere Zukunft zu ermöglichen. Zudem möchte er sich intensiver um die Erziehung seiner Kinder kümmern.

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