Historique de vie de Souleymane Ndoye

Im Alter von 24 Jahren traf Souleymane den Entschluss, sein Heimatland zu verlassen und nach Europa zu migrieren. Wie so viele andere junge Menschen hoffte auch er darauf, dort ein besseres Leben führen zu können. Er verließ Rufisque mit dem Bus, durchquerte Mauretanien in Richtung Marokko und verbrachte die zwei folgenden Jahre damit, in der Wüste auf die Möglichkeit einer Passage nach Spanien zu warten.

Im Herbst 2011 bestieg Souleymane schließlich, gemeinsam mit über einhundert anderen Migrant*innen, ein großes Fischerboot, das sie bis in Sichtweite der spanischen Küste brachte. Da sich die Schlepper (aus Angst von der spanischen Küstenwache entdeckt zu werden) weigerten, noch näher an den Strand heranzufahren, waren Souleymane und die anderen Insassen gezwungen, das letzte Stück bis zum Ufer zu schwimmen. Viele von ihnen ertranken oder wurden verletzt, bevor der Rest der Gruppe von der spanischen Küstenwache gerettet werden konnte.  

Nach einem einjährigen Aufenthalt in Spanien zog es Souleymane weiter in andere europäische Länder. Sein erstes Vorhaben, Holland (2012), scheiterte an den strikten polizeilichen Einreisebeschränkungen, weshalb der ambitionierte junge Mann nach einer kurzen Rückkehr nach Spanien, im Frühjahr 2013 mit dem Auto in Richtung Frankreich aufbrach. Von dort reiste er nach Belgien und noch im selben Jahr mit dem Zug weiter nach Deutschland. Hier wollte er es wagen, sich niederlassen und versuchen, eine Arbeitserlaubnis zu erhalten.

Die Zeit zwischen 2013 und 2018 verbrachte Souleymane in Bayern, wohnte zunächst in München und später in Kempten im Allgäu. Hier lernte er seine zukünftige Frau kennen – die Beziehung hielt jedoch nicht lange. Trotz einer regelmäßigen Teilnahme an Integrations- und Deutschkursen in diversen sozialen Einrichtungen, gelang es Souleyman nicht sich vollständig in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Eine Arbeitserlaubnis hatte er auch nach mehreren Jahren immer noch nicht erhalten. Und so entschied sich der junge Senegalese im Februar 2018 mit Hilfe der Organisation für Internationale Migration (O. I. M.), freiwillig in sein Heimatland zurückzukehren.

Zwei Jahre später, im Frühjahr 2020, betrat Souleymane auf Empfehlung von O. I. M. und des Centre Sénégalo-Allmand zum ersten Mal das House of Hope. Es war eine Zeit des Umbruchs und vieler neuer Herausforderungen, denn die ersten Auswirkungen der Corona-Pandemie zeigten sich bereits. Für die geplanten Therapiesitzungen bedeutete dies ein erhöhtes Maß an Vorsicht und strengere Hygieneschutzmaßnahmen. Die Leitung des House of Hope stellte allen Mitarbeiter*innen und Klient*innen Seifen, Desinfektionsgel und Masken zur Verfügung und wies eindringlich auf die Einhaltung des Mindestabstands hin. Das Projektauto wurde fortan ausschließlich für den Transport von Klient*innen (von zu Hause/nach Hause) genutzt, um so das Risiko einer Infektion für alle Beteiligten zu mindern.

Für Souleymane war es allein unter diesen Bedingungen vorstellbar, seine Therapie fortzuführen. Trotz der widrigen äußeren Umstände hat sich seine Situation deutlich gebessert. Flashbacks und Intrusionen (erneutes Durchleben des traumatischen Ereignisses) sind zurückgegangen. Er ist dankbar, seine vergangenen Erlebnisse mit jemandem teilen zu können, jemanden zu haben, der ihm zuhört und ihm Rat gibt.

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