Senegal – Italien – Deutschland – Senegal

Nach seinem Abschluss arbeitete Mamadou im Meridien President Hotel in Dakar und lebte zusammen mit seinen Eltern in Mbao, einem Vorort der senegalesischen Hauptstadt. Obwohl er einen relativ sicheren Job hatte, strebte Mamadou nach mehr und verließ Senegal mit 18 Jahrenauf dem Landweg in Richtung Europa. Über Mali, Burkina Faso und Niger gelangte er nach Libyen. Es war eine gefahrvolle Reise, bei der er sich nicht nur immer wieder unpassierbaren Wegstrecken inmitten der Wüste sowie beinahe-Unfällen mit anderen Wagen gegenüber sah, sondern auch Opfer von Betrügereien Mitreisender wurde. In Libyen angekommen, wurde der junge Mann in ein Internierungslager für illegale Einwanderer in Tripolis gebracht, wo er sowohl an körperlicher als auch an moralischer Folter durch libysche Polizeibeamten zu leiden hatte.

Völlig erschöpft, kehrte Mamadou zu seinen Eltern zurück. Seinen Plan, in Europa ein neues Leben anzufangen, hatte er jedoch noch immer nicht aufgegeben. Da ihm die finanziellen Mittel fehlten, eine Überfahrt nach Italien zu bezahlen, bat er schließlich seine Eltern um das benötigte Geld. Gemeinsam mit 140 Männern, Frauen und Kindern machte sich Mamadou schließlich an Bord einer Piroge auf den Seeweg in Richtung Europa. Viele von ihnen sollten die Überfahrt nicht überleben, denn das Boot erlitt Schiffbruch auf offener See. Mamadou gehörte zu den wenigen, die sich schwimmend bis in Küstennähe retten und bei Sizilien von der italienischen Marine an Bord genommen werden konnten.

Die ersten Wochen in Europa verbrachte der junge Senegalese in einem Auffanglager für Migrant*innen. Zwei Jahre nach seiner Ankunft in Italien, verließ Mamadou das Land  mit dem Zug in Richtung Bamberg. Hier lebte er zwei Jahre in einer sozialen Aufnahmestelle. Das folgende Jahr verbrachte Mamadou in einer psychiatrischen Einrichtung in München.

Aufgrund seines sich stetig verschlechternden Gesundheitszustands und diverser Schwierigkeiten, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden, musste Mamadou 2019 nach Senegal zurückkehren. An Bord des Flugzeugs, das ihn in seine Heimat zurückbrachte, befanden sich mehrere seiner Landsleute, die im Rahmen eines Rückführungsabkommens zwischen Senegal und Deutschland ausgewiesen wurden.

Zurück in Dakar, verwies das Centre sénégallo-allmand Mamadou  zur weiteren psychotherapeutischen Behandlung an das House of Hope. Zu dieser Zeit waren die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie in Senegal bereits deutlich zu spüren. Die Therapiesitzungen im House of Hope fanden unter strengen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen statt. Die Projektleitung hatte zudem verfügt, den projekteigenen Minivan für Klient*innenfahrten zu nutzen, sodass sich die Möglichkeit der Ansteckung auf ein Mindestmaß reduzierte. Allein aufgrund dieser getroffenen Vorkehrungen sah sich der junge Senegalese dazu in der Lage, an den Sitzungen teilzunehmen.

Schon im Verlauf des ersten Termins wurde deutlich, dass Mamadou unter einer stark ausgeprägten Posttraumatischen Belastungsstörung litt, die immer wieder dazu führte, dass die vergangenen Ereignisse unvermittelt und heftig über ihn hereinbrachen. Im Verlauf der Therapie nahm die Zahl der Flash-Backs deutlich ab. Dabei hat der Umstand, dass die Therapeut*innen des House of Hope ihren Klient*innen zu nahezu jeder Tageszeit zur Verfügung stehen und die Gespräche mit viel Empathie für ihr Gegenüber führen, laut Mamadou maßgeblich zur Verbesserung seiner gesundheitlichen Situation beigetragen.

Mit Unterstützung des Centre sénégallo-allmand in Dakar hofft der junge Mann in der Nähe seiner Eltern, mit denen er wieder zusammenlebt, ein kleines Restaurant eröffnen zu können. Auch wenn es aktuell noch keine Frau in seinem Leben gibt, so hofft er, in nicht allzu ferner Zukunft heiraten und eine Familie gründen zu können.

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